Lebenswelt Ernährung
Dass die Ernährung von Kindern gesund sein soll und sie dem kindlichen Organismus alle zum Wachstum und zur Stärkung erforderlichen Stoffe zuführen soll, ist eine Selbstverständlichkeit. Ernährungswissenschaftler unterstreichen in diesem Zusammenhang immer wieder die Vorteile einer an Gemüse und Obst reichhaltigen Kost. Das richtige Mengenverhältnis der verschiedenen Produkte wird häufig mit dem Bild einer Pyramide verglichen: die Basis und damit den größten Anteil bilden die verschiedenen Getreideprodukte und Kartoffeln, dem folgen Obst und Gemüse, während Wurst, Fleisch, Fisch, Käse weniger ins Gewicht fallen sollten. An der Pyramidenspitze, also nur zum gelegentlichen Verzehr geeignet, befinden sich Süßigkeiten, Schokolade, Chips usw.
DGE - Ernährungspyramide (In: DGE (2005): Beratungspraxis. DGE-Info 04/2005, Seiten 56-57)
Nicht so sehr das Wissen um die richtige Ernährung oder die Verfügbarkeit entsprechender Lebensmittel ist jedoch das Problem, sondern die Umsetzung. Warum ist das so? Dies hängt damit zusammen, dass wir in Bezug auf das Essen mit unserer ganzen Existenz in die Dynamik einer Lebenswelt eingebunden sind, die vor Jahrmillionen begonnen hat, als vorzugsweise pflanzliche Nahrung, unverarbeitete Produkte und Knappheit das Nahrungsangebot bestimmten. Die Dynamik der Ernährung ist tief in den überlieferten Lebensweisen verwurzelt und in die stammesgeschichtliche Entwicklung eingebunden. Immer noch ist die richtige Ernährungsweise ein gemeinschaftlicher und persönlicher Lernprozess.
Bereits Säuglinge erfahren beim Stillen im Rhythmus zwischen Hunger und Sättigung, anstrengendem Saugen und aufkommender Müdigkeit, zwischen Bedürfnis nach mütterlicher Zuwendung und sozialer Zufriedenheit das gesamte Spektrum gesundheitlichen Lernens bei der Nahrungsaufnahme. Damit und darüber hinaus weist das Stillen weitere gesundheitlich protektive Effekte auf. Eine Übersicht ist in der Broschüre "Stillen- und Muttermilchernährung" der BzgA (Köln, 2001) enthalten:
Stillen und Muttermilchernährung
Unser Wissen um die Wirksamkeit der mit den Nahrungsmitteln zugeführten Stoffe beschreibt nur die mechanistische Seite der Stoffaufnahme und des Stoffwechsels, ausgeblendet bleiben Lernvorgänge der Wahrnehmung, der Selbstwirksamkeit, der Autonomie und Kompetenz auf den verschiedensten Ebenen, wie es im Grunde bei allen Lebewesen beobachtet werden kann.
Das kindliche Lernen von Gesundsein erfolgt immer durch Teilnahme des ganzen Organismus mit körperlichen, seelischen, sozialen und mentalen Anteilen. Gesundheit ist dann das Ergebnis einer gelingenden Orientierung und Wechselbeziehung zwischen Kind und Umwelt. Und kindgerechte Ernährung bedeutet, Kinder an diese Wechselbeziehung und dieses Auf und Ab aus körperlicher Anstrengung, Hungergefühl und Essen und Erholung, Wachsein und Ruhe heranzuführen.